Ist Verschlüsselung böse? – Teil V

Kommentar von Frank Guthausen

Das US-Justizministerium verschärft die Argumentation gegen Verschlüsselung von Mobiltelephonen.

Ein hoher Regierungsvertreter soll gegenüber Apple-Managern gesagt haben, dass deren Entscheidung, iOS-Geräte künftig stärker abzusichern, bald Menschenleben kosten könne.

Doch dabei blieb es nicht. Wie heise online berichtet, wurden die Anwürfe noch gesteigert.

“Ein Kind wird sterben”, soll der Mitarbeiter bei dem Gespräch betont haben, das bereits im vergangenen Monat geführt wurde. Der Grund: Die Polizei könne künftig nicht mehr wie bisher das Telefon von Verdächtigen durchkämmen.

Man kann das durchaus so interpretieren, dass die geplante Verschlüsselung, welche von Unternehmen wie Apple und Google als Standard eingeführt werden soll, wirksam ist. Damit gäbe es eine Chance, die eigene Privatsphäre oder Geschäftsgeheimnisse besser zu schützen als bisher. Umgekehrt werden Anhänger einschlägiger alternativer Theorien (Verschwörungstheorien gibt es reichlich, auch im Internet) vorbringen, dass die (wer auch immer das sein soll) uns mit diesem Schauspiel nur in Sicherheit wiegen wollen, weil die sowieso an alle Daten kommen. Man kann auf der nächsten Metaebene argumentieren, dass genau diese Theorien von denen in die Welt gesetzt werden, damit wir entmutigt werden, um erst gar keine Verschlüsselung zu verwenden. Dem entgegengesetzt empfehlen wir vom Datenschutzraum e.V. den Gebrauch des gesunden Menschenverstandes. Das primäre Schutzziel ist die Minimierung des Schadens bei Verlust oder Diebstahl des Gerätes, und der Schaden bemisst sich nicht nur am Wert des Gerätes, sondern auch an den Daten, welche Dritte unbefugt in Kenntnis nehmen können.

Wer plant, seinem Spößling oder Enkel zu Weihnachten ein neues Mobiltelefon unter den Baum zu legen, kann bei der Auswahl des Gerätes Faktoren wie Datenschutz, Verschlüsselung und sicherheitsunterstützende Maßnahmen in Betracht ziehen und die Verkäufer entsprechender Waren mit einer vorbereiteten Frageliste ausquetschen, um die Kaufentscheidung von den Antworten abhängig zu machen. Erfahrungsgemäß (möglicherweise auch nur als axiomatisches, neoliberales Dogma) reguliert sich der Markt nämlich durch Angebot und Nachfrage. Und die Nachfrage nach Verschlüsselung sollte im Jahr zwei nach den Snowden-Enthüllungen eine Selbstverständlichkeit sein.

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