Ist Verschlüsselung böse?

Kommentar von Frank Guthausen

Der Datenhunger der (US-)Behörden ist für Internetfirmen, die von Kunden und deren Datenverarbeitung abhängen, nicht geschäftsfördernd. Daher haben einige der Big Player angekündigt, in die Geräte ihrer Kunden bessere Verschlüsselung einzubauen. Das Wiederum passt dem FBI gar nicht. FBI-Direktor James Comey beschwört wieder mindestens einen der apokalyptischen Reiter, denn er sieht Probleme auf das FBI zukommen:

Apple hat die an PIN oder Passcode des Nutzers geknüpfte Verschlüsselung von Inhalten auf iPhone und iPad mit iOS 8 erheblich ausgedehnt – und kann Daten wie beispielsweise Fotos, Textnachrichten oder Adressbuch jetzt nicht mehr auslesen, auch wenn eine Strafverfolgungsbehörde mit Durchsuchungsbeschluss und dem Gerät vorstellig wird. Google will mit Android L die bislang optionale Verschlüsselung standardmäßig aktivieren.

Das ist sehr schlimm, wenn Bürger ihre Privatsphäre schützen. Die Diskussion geht zwar im Prinzip seit PGP und sollte eigentlich unter olle Kamelle laufen, aber das hindert natürlich einen Behördenchef nicht, den Untergang der Zivilisation zu beschwören.

Er könne einfach nicht verstehen, dass Apple und Google die Verschlüsselung “ausdrücklich als etwas vermarkten, was Leuten erlaubt, sich über das Gesetz zu stellen”, betonte der FBI-Direktor.

Ja wirklich, wer Verschlüsselung benutzt, stellt sich über das Gesetz. Welches Gesetz da gemeint sein könnte, sagt er nicht. Vermutlich ist es ein US-Geheimgesetz, welches von US-Geheimgerichten durchgesetzt wird, währen nicht-geheime US-Abgeordnete davon nichts wissen dürfen. Zum Abschluss noch ein Zitat zu einem der apokalyptischen Reiter:

“Apple wird das Telefon der Wahl für den Pädophilen”, ätzte der Chef der Kriminalbeamten bei der Chicagoer Polizei gegenüber der Tageszeitung.

Aha. Soso. Dazu mag jeder denken, was er mag.

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